Acronis Cyber Frame: Eigene IaaS-Plattform statt Hyperscaler

Acronis hat mit Cyber Frame eine HCI- und IaaS-Plattform für Service Provider angekündigt. Was sie kann, für wen sie gedacht ist, und wo sie sich für KMU lohnt.

pad systems 18. Mai 2026 5 min Lesezeit
Acronis Cyber Frame

Was Cyber Frame ist

Acronis hat am 13. Mai 2026 ein neues Produkt vorgestellt: Cyber Frame. Es ist keine zusätzliche Funktion in Cyber Protect, sondern eine eigene Plattform. Im Kern eine hyperkonvergente Infrastruktur — Compute, Storage und Netzwerk in einem Stack — die als Infrastructure-as-a-Service betrieben wird. Gedacht für Service Provider, die VMs, Block- und Objektspeicher sowie Netzwerk-Services unter eigener Marke anbieten wollen, ohne dafür einen Hyperscaler-Vertrag und einen Datentransfer-Tarif zu unterschreiben.

Der eigentliche Unterschied zu klassischen HCI-Stacks liegt in der Schutzschicht. Backup, Disaster Recovery, EDR und RMM sind nicht nachgeflanscht, sondern Bestandteil der Plattform. Jede Workload, die auf Cyber Frame läuft, hat diese Funktionen ab Werk.

Stand heute: Early-Access-Programm. Wer Kunden früh aufschalten will, kann sich anmelden, die allgemeine Verfügbarkeit kommt später.

Hyperkonvergent in einem Stack

Cyber Frame bringt das mit, was sonst aus drei bis vier Produkten zusammengebaut wird:

  • Virtualisierung für Linux- und Windows-VMs
  • Software-Defined Storage mit Block-, Datei- und S3-kompatiblem Objektspeicher
  • Software-Defined Networking mit VLANs, Routing und Firewall-Regeln
  • Lebenszyklus-Management der Hardware-Knoten inklusive Updates

Unter der Haube läuft bekannte Open-Source-Technik: KVM als Hypervisor, OpenStack für Orchestrierung und Mandantenverwaltung. Die kommerzielle Klammer kommt von Virtuozzo Infrastructure — einem Spezialisten für softwaredefinierte Infrastruktur, den Acronis 2024 übernommen hat. Darauf sitzt die eigene Storage- und Schutzschicht von Acronis. Für den Cluster braucht es mindestens drei Knoten, für Produktion empfiehlt Acronis fünf oder mehr.

Wer Proxmox plus Ceph plus pfSense im Eigenbau aufgesetzt hat, kennt die Architektur und kennt KVM unter der Haube genauso. Cyber Frame ersetzt diesen Open-Source-Stack nicht — wir bauen weiterhin gerne mit Proxmox — sondern bietet eine kommerzielle Klammer für Anbieter, die einheitlichen Hersteller-Support wollen und nicht jede Schicht selbst zusammenführen möchten.

Cyber Protection ab Werk

Workloads auf Cyber Frame sind by default geschützt. Das heißt im Detail:

  • Backup und DR über die Acronis-Cyber-Protect-Engine, mit Storage in der Plattform selbst oder ausgelagert
  • Anti-Ransomware und Verhaltensanalyse auf VM-Ebene
  • EDR mit forensischen Daten in der Konsole
  • RMM: Monitoring, Patch-Management und Remote-Zugriff auf die Gäste

Bei klassischen IaaS-Plattformen sind das vier Add-Ons mit vier Verträgen. Hier sind sie eingebaut. Für Service Provider, die ohnehin Acronis Cyber Protect Cloud anbieten, ist die Integration nahtlos — dieselbe Konsole, dieselben Richtlinien.

Mandantenfähigkeit und White-Label

Cyber Frame ist von Anfang an für Mehr-Mandanten-Betrieb gebaut. Tenant-Isolation, Self-Service-Portale für Endkunden, White-Label-Branding. Ein Kunde sieht das Portal des Anbieters, nicht das von Acronis. Wer als MSP unter eigener Marke Hosting verkauft, bekommt damit das, was sonst aufwändig vor einen API-Stack gesetzt wird: ein fertiges Self-Service-Frontend.

Für die Operations-Seite kommen Werkzeuge mit, die auf Service-Provider-Workflows zugeschnitten sind — Provisionierung, Abrechnung, Reporting. Wie tief das geht, wird sich in der Praxis zeigen. Erste Eindrücke aus dem Early Access sind grundsätzlich positiv, die Reife der Edge-Cases steht noch aus.

Zwei Deployment-Modelle

Acronis bietet Cyber Frame in zwei Varianten an. Die Wahl ist eine Frage von Investitionsbereitschaft, Datenresidenz und Kontrolle.

Cyber Frame Cloud. Acronis betreibt die Infrastruktur, der Service Provider verkauft die Kapazität weiter. Kein Hardware-Invest, schneller Start, monatliche Abrechnung. Sinnvoll, wenn das Geschäftsmodell erst validiert wird oder die Kapazität flexibel skalieren soll.

Cyber Frame Local. Der Service Provider betreibt die Hardware selbst — im eigenen Rechenzentrum, im Co-Location-Rack oder beim Kunden vor Ort. Volle Kontrolle über Standort, Performance und Wirtschaftlichkeit. Datenresidenz ist eindeutig regelbar, was bei deutschen Kunden mit DSGVO-Fragen, mit Anforderungen aus dem KRITIS-Umfeld oder mit Branchen-Compliance schnell ein Argument wird.

In der Praxis wird man die Modelle mischen: schneller Start in der Cloud, gewachsene Workloads on-premises.

Einordnung für pad systems

Unsere eigene Infrastruktur bauen wir auf Open Source: Proxmox, Ceph, Nextcloud und Co. Daran ändert Cyber Frame nichts — digitale Eigenständigkeit ohne Hersteller-Bindung bleibt der Weg, den wir empfehlen, wenn die Voraussetzungen passen.

Interessant wird Cyber Frame für Kunden, die schon mit Acronis arbeiten. Wer Backup, EDR und Patch-Management bereits über Acronis Cyber Protect laufen lässt und perspektivisch eine eigene IaaS-Schicht braucht — etwa um Außenstellen anzubinden, Test-Umgebungen abzubilden oder ausgelagerte Workloads im eigenen Rechtsraum zu halten — bekommt mit Cyber Frame eine Erweiterung im gleichen Ökosystem. Ein Hersteller, eine Konsole, eine Vertragsbeziehung statt einer neuen Plattform daneben.

Wir verfolgen das Early-Access-Programm und prüfen, wie sich Cyber Frame in konkrete Kundenszenarien einfügt. Wo Open Source die bessere Antwort bleibt, sagen wir das auch.

Fazit

Cyber Frame ist eine konsequente Erweiterung des Acronis-Portfolios. Backup und EDR adressieren die Endpunkte, Cyber Protect Cloud die Mandanten-Verwaltung, Cyber Frame nun die Infrastruktur darunter. Für Service Provider, die ein einheitliches Hersteller-Ökosystem wollen, ist das ein attraktives Angebot. Für Anwender im Open-Source-Lager bleibt Proxmox mit seinem Backup Server eine valide Alternative.

Wir sind im Early Access dabei und schauen genau hin, bevor wir Empfehlungen aussprechen. Wer schon heute über eine eigene Cloud-Strategie nachdenkt oder ein konkretes Hosting-Szenario im Kopf hat: sprechen Sie uns an. Den breiten Acronis-Schutz für Endpunkte und Server bekommen Sie ab sofort in unseren Managed-IT Paketen.

LinkedIn
Dieser Hinweis existiert nur, weil alle anderen einen haben. Keine Cookies an Bord.